Vor kurzem stand ich in einem Workshop mit 18 Führungskräften aus einem Energieversorger. Erste Frage in die Runde: „Wer von euch nutzt KI regelmäßig im Alltag?“ Drei Hände gehen hoch. Eine zögerlich.
Dann frage ich anders: „Wer kennt jemanden im Team, der schon mal mit ChatGPT eine Geburtstagsüberraschung geplant hat?“ – plötzlich Lachen, Tuscheln, Hände gehen hoch.
Dieser kleine Unterschied ist alles.
Das eigentliche Problem ist nicht die Technologie
Drei Jahre nach ChatGPT zeigt sich in fast jedem Team das gleiche Muster: Die Bandbreite zwischen Power-Usern und Verweigerern wird größer, nicht kleiner. Manche prompten täglich. Andere haben das Tool noch nie geöffnet. Und dazwischen sitzt der größte Teil – neugierig, aber unsicher.
Klassische KI-Schulungen scheitern an dieser Heterogenität. Die einen langweilen sich, die anderen sind überfordert. Beide schalten ab.
Das eigentliche Führungsproblem: Wir reden über Tools, bevor wir über Menschen reden.
Der Microhack: KI-Bingo
Ich starte meine Einsteigerseminare seit Monaten mit einem einfachen Format – einem 3×3-Bingo.
Auf jedem Feld steht eine Aussage: „Finde eine Person, die … KI schon einmal genutzt hat, um jemanden zum Geburtstag zu überraschen.“ Oder: „… regelmäßig per Voice mit der KI spricht.“ Oder: „… schon einmal von KI getäuscht wurde.“

Die Aufgabe: pro Feld eine andere Unterschrift. Wer alle neun hat, ruft Bingo.
Was passiert in den nächsten 15 Minuten?
Die Leute stehen auf. Sie reden miteinander. Sie erzählen Geschichten – nicht über GPT-4o oder Token-Limits, sondern über die Geburtstagskarte für die Schwiegermutter, das schwierige Gespräch mit der Tochter, den Pitch, den die KI mitvorbereitet hat.
Aus einem abstrakten Tech-Thema wird ein menschliches Gespräch.
Warum das funktioniert
Drei psychologische Effekte greifen ineinander:
Erstens: Skeptiker:innen hören Geschichten von Kolleg:innen, nicht von Trainer:innen. Das senkt die Verteidigungshaltung sofort.
Zweitens: Power-User:innen werden sichtbar – nicht als „Nerds“, sondern als hilfsbereite Kolleg:innen mit konkreten Beispielen.
Drittens: Auch die kritischen Felder („KI getäuscht“, „KI korrigiert“) bekommen Raum. Niemand muss so tun, als wäre alles großartig.
Das Ergebnis: Der Raum ist warm, bevor der erste Slide gezeigt wird.
Für dich zum Mitnehmen
Du brauchst keinen Workshop, um das zu nutzen. Du kannst das Bingo in deinem nächsten Teammeeting in 20 Minuten einsetzen – als Auftakt zu eurer KI-Diskussion, vor dem Tooltraining, oder einfach als ehrliche Standortbestimmung.
Ich habe das Bingo als druckfertiges PDF hier hinterlegt. Lade es runter, druck es aus, bring es mit. Freie Nutzungsrechte. Wenn du es einsetzt, freue ich mich über einen LinkedIn-Post mit Verlinkung – ich teile gerne, was bei dir passiert ist.
Monday Move: Block dir 30 Minuten in deinem nächsten Team-Jour-fixe. Verteile das Bingo. Halte dich raus. Hör zu, was passiert.
Du wirst überrascht sein, wer wen in deinem Team schon längst inspiriert – nur weil bisher niemand gefragt hat.



